Ich habe auch nie jemanden gesehen, der mit einer Reiseschreibmaschine unterwegs war.
Nun gut, damals hieß alles Mögliche, wenn es etwas kleiner war als sonst, Reisedingens.
Die Zukunft versprach, eines Tages komplett in einen Koffer zu passen. Das Leben sollte leichter werden. Die Schreibmaschine war da etwas hinterher. Nicht einmal auf einen kurzen Spaziergang hätte ich den Wrunken mitgeschleppt. Auch reichte es, dass man schon stationär schreibend als Außenseiter galt.
Ich schrieb damals ständig über den Rand.
Ich war jung.
Ich sah nicht hin.
Der rechte Rand der Walze war schon eingedellt von den verzweifelten Anschlägen jemandes, der unbedingt den Satz zu Ende bringen will. Das Zurückholen des papiertragenden Wagens aber war nicht nur nötig, sondern es bescherte, davon bin ich überzeugt, genau diese Dosis Bewegung, die das Gehirn mit frischem Blut versorgt. Schreibende heute wissen oft gar nicht mehr, was ein versorgtes Gehirn ist. Klackern auf Plastikwürfel ein, bis es vor den Augen tanzt.
Aber zurück. Pling!
Ein silbern Glöcklein weckte mich jede Zeile aus dem Schreibrausch, erfolgreicher als ebenfalls in Mode gekommene Reisewecker, die so klein waren, dass sie beim besten Willen keinen Krach machen konnten.
Also Wagen zurückholen, Sauerstoff ins Gehirn pumpen.
Oft hing das Papier von Zeile zu Zeile immer schiefer. Die Buchstabentypen mussten mit Typenreiniger gereinigt werden, welcher aber vor allem den Typenreinigenden verunreinigte.
Einmal ging das "U" ab, zur Gänze. Materialermüdung. Warscheinlich zu viele "und".
"Jeder ist ersetzbar", hieß es, während heute frei werdende Stellen oft gar nicht mehr ausgeschrieben werden.
Ich kaufte meiner Reiseschreibmaschine also ein funkelnagelneues "U". Es war daran zu erkennen, dass es einen halben Millimeter über den anderen Buchstaben schwebte. Ein minimaler Juchzer.
Und gegen Farbbänder konnte man gar nichts machen. Die führten ihr eigenes, selbstbestimmtes Leben. Und wenn es sie dasselbe kostete.
Die einzige Prägung, welche meine Reiseschreibmaschine hinterlassen hat, ist meine Liebe zur Schrift Courier.
In Courier schreibt man ganz anders als mit diesen Schriften, die so tun, als sei der Text fertig.
Buchstaben von heute durchdringen niemals das Papier und kommen auch sonst nicht weit, nicht weiter jedenfalls als auf der Reiseschreibmaschine getippt.
Eines Tages hatte ich die Reiseschreibmaschine wohl tatsächlich einfach so in den Müll geworfen. War ja dieser praktische Tragegriff am Köfferchen.
Als das Müllauto mit ihr davonfuhr, war sie, und es freute mich, letzten Endes doch noch auf einer echten Reise.