Von Schnee- und Eis-Eiligen
Die merkwürdigste Sportveranstaltung beispielsweise, die ich als von der Banalität des Lebens noch nicht abgekühlter Halbwüchsiger besuchte, war eine Weltmeisterschaft im Rodeln.
Wir hatten sehr gute Stehplätze, das heißt, wir wurden vom Mob gegen eine Absperrung gedrückt, vor welcher alle zwei Minuten ein Schatten durch die Rinne huschte.
Was hat, schwante mir, der lange, dunkle Winter die Menschen in ihren Zerstreuungen doch genügsam gemacht!
Auch an einer Langlaufstrecke prostet einem die Langeweile zu.
Seit einigen Jahren noch einmal deutlich verunstaltet durch einen Grätschenschritt, der die Athleten wie außer Kontrolle geratene Marionetten aussehen lässt,
ist der Skilanglauf, würde man nicht im Biathlon durch Schüsse geweckt, in seiner schlaffördernden Wirkung nur vom Eisschnellauf zu toppen.
Somnambul Wirkende sich dort zu Fragezeichen krümmen, um der Schwungmasse Hintern eine günstige Aerodynamik abzutrotzen.
Wenn auch die Anzüge durchaus erotischer Funktionswäsche ähneln,
wirkt der Eisschnelläufer maximal so ekstatisch wie das Pendel einer Standuhr.
Zugegeben, gegen Abfahrtslauf ließe sich nichts sagen, wenn nicht alle Beteiligten nach gleicher Rutschdauer im Ziel einträfen.
Allein höchstgezüchtete Atomzeitmesser vermögen die Sportler einigermaßen zu sortieren.
Diese glotzen am Ziel selbst völlig ahnungslos auf die Anzeige, um zu erfahren, was sie gerade getan haben.
Nun könnte für einen musisch aufgeschlossenen Menschen das Eiskunstlaufen eine willkommene Abwechslung darstellen.
Triebe nicht schon der hallig wabernde Akustiksmog in die Flucht, zu welchem Werke berühmter Komponisten verraucht werden.
Gleichzeitig scheitert vor Bandenwerbung, die noch den letzten künstlerischen Ausdruck erstickt, ein Versuch nach dem anderen, sich glitzerbestickt der Schwerkraft zu entwinden.
Zudem ist bei Olympischen Spielen in der Glotze auch das Pflichtprogramm der Eiskunstläufer zu sehen, bei welchem erwachsene Menschen, die keiner Mordkomission angehören, Kratzspuren auf dem Eis untersuchen.
O Frühling, komme bald!