Freitags Hades

Wenn ich uns Menschen,
(so darf ich doch wohl auch einmal sagen: uns Menschen)
in der Soletherme nackt wandeln und wabern sehe,
so wirken wir dort auf eine ganz und gar erfrischende Weise
tot.
So bar unserer Habe,
entladen aller Last,
aller Übergangsmäntel, Geldbörsen, Stützstrümpfe und Projektmappen.
Von nichts Irdischem behängt als wir behangen am Anfang von Allem,
nämlich Ärmchen und Beinchen und Köpfchen und etwas Geschlecht.
In manchen Köpfen, die einzig an das Bekleidetsein erinnern, rumpelt wahrscheinlich das Geröll der Tagewerke auch hier weiter.
Aber der herrschende Eindruck ist: Rückkehr.
An der großen Treppe zum dampfenden Solebecken ist es grad so heimelig wie im urgemütlichen Fährhafen am Styx, wo die letzten Einkaufsmöglichkeiten, zollfrei, versteht sich, die Wartezeit verkürzen.
Niemand drängelt.
Nackt Drängeln wäre anerkanntermaßen Belästigung.
Bekleidet jedoch nicht. Je mehr Kleidung der Mensch trägt, desto schamloser wird er. Im Blechmantel am schamlosesten.
Nicht aufregen, heute ist Hades.
Heute dürfen wir etwas tot sein.
Haben Sie auch den 22-Uhr-Nachen gebucht? Wie ist das Wetter im Totenreich? Nebelbänke über der Sole, soso, jaja.
Man hat es ja warm dort. Soll wohl früher mal die Hölle gewesen sein und ist dann sehr aufwendig umgebaut worden. Ach, interessant.
Es hat ja überall noch den Höllenlook im Paradies.
Strudel, Flammen, kalte Güsse.
Na, man sieht sich.
Und guckt doch nicht hin. Nacktheit macht blind.
Auch Traumkörper haben Warzen, wussten Sie das schon?
Das Nacktsein ist die beste Hülle.
Den Boden unter den Füßen gern einmal hergeben.
Niemand sein.
Auf eine ganz morbide Art und Weise
lebendig.
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