selbst
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  • Bücher aus Wirklichkeit
  • Ein Vielfaches als ich schreibe lese ich.
    Als Vielfraß historischer, insbesondere biografischer Bücher empfehle ich hier jene weiter, bei denen mir während des Lesens eine Stimme zuraunte: „Genau so war es.”
    Und zu wissen, wie es war, erklärt so Vieles von dem, was ist und wird.
    (Die Links auf den Buchcovern führen übrigens zu Amazon.de.)
  • Eitel, aber ehrlich
    Das am weitesten geöffnete Fenster ins 17. Jahrhundert.
    Ein hoher britischer Flottenbeamter notiert codiert, wie man ihn korrumpiert und wie er außerehelich kopuliert.
    Merkwürdig, dass einem der Kerl trotz allem irgendwie sympathisch bleibt.
    Die Königin der Briefe
    Nach Frankreich verheiratet, ist Briefe schreiben das Lot und Anker für Lieselotte von der Pfalz.
    Ihr Mann, Bruder des Sonnenkönigs, lebt im tabulosen Hedonismus. Lieselotte versucht sich im gehobenen Abseits ihrer Position und darin, den Faden in die Heimat nicht zu verlieren.
    Heute würde sie garantiert bloggen und twittern, dass die Wände wackeln.
    Wippchen ist ein Muss
    Für das amazon-Kindle wird verschenkt, was mehr wert ist als alle quietschbunten Humorregale in den Buchhandlungen zusammengenommen.
    Abgründiger, artistischer, brillanter, weiser Humor, Nasführung der Zensur, und ein Teufelstanz der Metaphern!
    Vor jedem Umblättern mindestens einmal laut lachen müssen.
    Vergleicht man freilich seinen Wippchen mit anderen seiner Humorgestalten, so scheint ihm dieser aus dem sicheren Bernau korrespondierende Kriegsberichterstatter über sein eigenes Format gewachsen zu sein, ähnlich, wie es dem Cervantes mit dem Quixotte erging.
    Kerze, an beiden Enden brennend

    Die Bundesrepublik (alt) als Jahrmarkt der Eitelkeiten, aber immerhin aufrecht benannt, wenn auch nicht (wie sonst auch?) ohne die eigenen Eitelkeiten des Autors.
    Fritz J. Raddatz sieht nackte Kaiser und falsche Fuffziger, die noch heute als eingelegte Ikonen verkauft werden.
    Ebenso offen wie kein anderer erzählt er (vor allem in den Tagebüchern), wie es sich lebt, wenn Mann schwul ist.
    Einer, der das Visier hochklappt und kein Lindenblatt auflegt - was der Preis ist für Glaubwürdigkeit und Anstand bei aller Bissigkeit.
    Die Traurigkeit im Land des Optimismus
    In dieser exzellenten Biografie spiegelt sich die ganze Literaturgeschichte der DDR.
    Und die Heimatlosigkeit jener, die man die Vertriebenen nennt.
    Dazu der zwanghafte, süße Untergang aller Melancholiker. Alles das in diesem einem unterschätzten deutschen Autor.
    Sohn des Krieges
    Wer keinen Staat zu brauchen glaubt, sehnt ihn in dieser Geschichte herbei. Alles metzelt im gestaltlosen Europa. Die Klügsten, zu denen Wallenstein gehört, wollen oder können daran nichts ändern.
    Die Sprache des Autors ist auf der Höhe jener gewaltigen Verhängnisse.
    Irrweg eines neuen Menschen
    Als ich zur Welt kam, war alles schon vorbei.
    Aber das habe ich erst viel später erfahren.
    Zum Beispiel durch diese subtile Biografie eines gescheiterten Idealisten.
    Eine bessere Welt war gar nicht vorgesehen. Wenn man von den Idealisten absieht.
    Der antisemitische Flüchtling
    Auch das gab es.
    Ein Naziflüchtling, der Juden hasst.
    Ein Mann war immer zu spät der ihre. Immerhin hat sie ihn angetrieben. "Muse" trifft es nicht ganz.
    Angeekelt und begeistert zugleich liest man von diesem Weg ins Exil, ja darüber hinaus ins Abseits.
    Ein tollkühner Baumeister
    Wenn man im Flugzeug Florenz anfliegt, staunt man bereits aus der Luft über die mächtige Domkuppel.
    Wie erst muss man im15. Jahrhundert gestaunt haben!
    107 Meter hoch! 45 Meter Durchmesser!
    Wie bewundert man schließlich beim Lesen dieses Buches Wagnis und Geduld des Architekten in durchaus instabilen Zeiten!
    Ruhm macht ratlos
    Nur die Tochter konnte es fertigbringen, Marlene Dietrichs Leben fair und doch schonungslos zu erzählen.
    Vom Gift des Ehrgeizes, dem wir dann doch diese Jahrhundert-Erscheinung verdanken.
    Die Wagnerin
    Irgendwann in Italien, wo er sterben wird, wispert ihr Mann Richard Wagner ihr zu, dass er nach Amerika gehen will.
    Wo man ihn endlich genügend würdigen wird.
    Bis dadin leiden beide unter allerlei Blindheit, Cosima namentlich unter ihrem sündigen Gattenwechsel.
    Gewissensbisschen
    Journalistin werden wollen, ganz gleich, was die Uhr gerade geschlagen hat.
    Weil sie nun mal schreiben kann.
    So aufrichtig sie nur sein kann, beschreibt die Autorin ihre Zeit als "gleichgeschaltete" Edelfeder im 3. Reich.
    Gerade ihre Schwäche ist die Stärke des Buches: zeigen, wie man im Sog eines großen Verbrechens treibt.
    Leuchtender Lichtenberg
    Die Autonomie eines denkenden Menschen.
    Der alle Beobachtungen und Entdeckungen zulässt, ein feinstes Gespür für das Notierenswerte hat.
    Dessen Gedanken herum zu irrlichtern scheinen, dabei die Dinge erst recht beleuchten.
    Stimmen im Fegefeuer
    Walter Kempowski auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Und er findet sie. Die monumentale Hebeleistung dieser seelischen Zustände einer im Krieg verfangenen Welt ist enorm. Man kann nicht genug danken.
    Das Gewesene lebt.
    (Mehrere Bände)
    Der Niederrhein mündet in Alles
    Der muss doch auch erwähnt werden.
    Alles von ihm lesen und immer wieder.
    Oder lesen und hören und sehen.
    Hinterher weiß man immer, worum es geht oder wenigstens gehen sollte.
    Oder wie man denken könnte, wenn es einem vorkommt, als würde gar nicht mehr gedacht.
    Boheme statt Goethe
    Lenz ist herzlich begrüßt am Weimarer Musenhof und dort ebenso herzlich fehl am Platz.
    Mit dieser Biografie eines ehrlich-bockigen Poeten gewann mich Sigrid Damm für alles, was folgte.
    Die Weimar-Versteherin.
    Wach im betäubten Deutschland
    Ein amerikanischer Radiokorrespondent im faschistischen Berlin.
    Er will so viel Wahrheit wie möglich durch die Luft nach Amerika schmuggeln, wo man sich lange nicht genug dafür interessiert.
    Ein Lehrbuch für journalistischen Anstand.
    Sich nicht verbiegen lassen
    So viel Prominenz er auch treffen mag, so befragt sich der Zeuge des 20. Jahrhunderts letztlich doch immer selbst.
    Und bleibt sich und dem Menschlichen treu.
    Ein Überlebender der Ideologien.
    Im kranken Herzen der Macht
    Ein Krimi und Lehrstück über Macht und Verstiegenheit.
    Besonders die letzten Stunden des merkwürdigen Scheinheiligen stellen Haltungen auf die Probe, während niemand weiß, dass alles nur der Vorabend des Umsturzes ist.
    Der Nachgesang
    Dass man dem Kaiserreich nachtrauern kann, lernte ich hier.
    Auch, dass man im Exil nicht in Sicherheit ist, nicht vor sich selber.
    Wer es schätzt zu gelten, stürzt dort tief.
    Die Agentin ihrer selbst
    Das Leben ist kein Spiel, das aber in diesem Fall erst ganz zum Schluss.
    Besonders rührend, dass ein Nachfahre eines Staatsanwalts das Urteil seines Vorfahren abklopft.
    Das Hohelied auf Berlin
    Jung, intelligent, erfolgreich, charmant, wach, empfindsam, lebenstrunken - Alfred Kerr lässt sich die Lust an Berlin nicht von preußisch-kaiserlicher Borniertheit verderben.
    Die Stadt, wie er sie vorfand, lebt auf.
    Der Mann hinter der Gardine
    Ein Pariser Rentner erlebt die Große Revolution, unbeteiligt, doch betroffen.
    Das Volk erhebt sich gar nicht. Es mag anfangs rumoren, aber dann wird es mitgerisssen. Der Rentner muss zuletzt vorsichtig den Abscheu vor den Jakobinern verbergen.
    Ein Musiker hört auf die Zeit
    Der Hofkapellmeister des Alten Fritzen kokettiert mit der Revolution in Frankreich.
    Die Fortsetzung dieses Buches wird ihn ernüchtern.
    Zuletzt wird er auch Briefe aus Wien schreiben, die der Zensur schmeicheln.
    Aber was er alles sieht!
    Neue Verhängnisse aus alten
    Die Zeit zwischen den Weltkriegen ist ein steiniger Weg zu einem neuen Abgrund.
    Der Diplomat und Mäzen Harry Graf Kesseler ist ein messerscharf beobachtender und analytischer Begleiter.
    Mag er manchmal ein wenig politisch trocken wirken, so hat er Anstand und Herz.
    Ein mechanisches Rätsel
    Ein fiktiver Roman, aber es fehlt eine überfällige Biografie eines erstaunlichen Menschen, dessen Leben längst hätte verfilmt werden müssen.
    Dem russischen Zaren wollte er ein Perpetuum Mobile verkaufen, über das ein Leibniz staunte.
    Wie Morde passieren
    Mit der Geschichte eines tatsächlich geschehenen Mordes an einer Familie will Capote die litetarische Reportage neu erfinden und krönen. Unter diesem Ehrgeiz legt er wie keiner nach ihm die Beschaffenheit von zerstörten und nun zerstörenden Menschen frei.
  • Dieser Kanon wird immer mal wieder angereichert.
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