Prüfer: Warum hupen Sie?
Dieter. Ich hupe nicht, ich spreche mit den anderen Autos.
Prüfer: Sprechen? Es macht doch nur tuut?
Autofahrer: Wir Autofahrer haben vierzig Wörter für ‚Arschloch'.
Prüfer: Vierzig?
Autofahrer: Tuut, Tututut, Tutuuuh...
Prüfer: Wie, was?
Autofahrer: Flitzpiepe, Arschkrampe, Pappnase, Affenhirn, Dorftrottel, Knallfrosch...
Prüfer: Können Sie mit Ihrem Tuut denn auch was Nettes sagen?
Autofahrer: Natürlich. Tutt-Tutt-Tutt!
Prüfer: Tutt-Tutt-Tutt?
Autofahrer: Grüner wird's nicht!
Prüfer: Das ist nett?
Autofahrer: Ich könnte ihm ja auch hinten rein.
Prüfer: Soso!
Autofahrer: Wissen Sie, wir Autofahrer waren, was die Sprache betrifft, einem enormen Evolutionsdruck unterworfen. Zum normalen Diskutieren wurde es auf der Straße zu laut. Die eigene Stimme dringt in der Regel nicht mehr durch zwei Autoscheiben. Der Kraftfahrer musste also ein Stimmorgan entwickeln.
Prüfer: Die Hupe.
Autofahrer: Schon bald überflügelte sie die primitive menschliche Stimme, die übrigens CO2 ausstößt. Sie wurde lauter als eine Operndiva, wurde international.
Prüfer: Der Spanier hupt allerdings mehr als ein Deutscher.
Autofahrer: Trotzdem hat er Platz zu machen.
Prüfer: Soso.
Autofahrer: Tuut-tuut versteht auch der Chinese, der neuerdings auch mit dem Auto zum Raubkopieren fährt. Hupen ist eine Weltsprache, wie Esperanto.
Prüfer: Esperanto sollte der Völkerverständigung dienen.
Autofahrer: „Arschloch” sagen ist Völkerverständigung. Wussten Sie schon, dass jedes Jahr ein paar Sprachen auf der Welt aussterben? Dass die UNESCO da schon sehr besorgt ist?
Prüfer: Also Artenschutz für Autofahrer?
Autofahrer: Wir sind doch die ersten Opfer des Klimawandels. Ein Rußpartikelfilter nach dem anderen sollen wir anschrauben, während die Kühe zum Beispiel weiter pupsen dürfen.
Prüfer: Ich fürchte, es gibt mehr Autos als Kühe. Und mehr Straßen als Weiden.
Autofahrer: Logisch. Da niemand an einer belebten Straße wohnen will, muss man immer mehr belebte Straßen bauen, um diesen Menschen eine Verkehrsanbindung zu ermöglichen.
Prüfer: Sollte man den öffentlichen Verkehr ausbauen?
Autofahrer: Ferkel!
Prüfer: Bus und Bahn, Schiff und Kahn?
Autofahrer: Haben Sie eigentlich schon bemerkt, dass sich gehupt alles reimt? Wir sind die Poeten der Landstraße! Tut tuut, tut tuut, tuut tut tut!
Prüfer: Soso. Will von öffentlichen Verkehrsmitteln nichts hören.
Autofahrer: Ein freier Mann kennt keinen Zeitplan. Er kommt, wenn er will.
Prüfer: Jetzt sind Sie aber das Ferkel. Ist Ihnen klar, dass es mit Ihrer Einstellung immer enger auf den Straßen wird?
Autofahrer: Die ideale Verkehrsdichte ist erreicht, wenn auch die Politessen nicht mehr durchkommen.
Prüfer: Die gehen ja zu Fuß.
Autofahrer: Ich meine es, wie ich es sage.
Prüfer: Alles Straße?
Autofahrer: Natürlich muss man in Sonntagsreden immer mal wieder so tun, als würde man über Alternativen nachdenken. Aber zu einer Sonntagsrede ist noch kein Politiker mit der Straßenbahn gefahren.
Prüfer: Alles geheuchelt?
Autofahrer: Darüber schweigt die Hupe. Was ist nun mit der Fleppe?
Prüfer: Ich darf Ihnen bescheinigen, dass Sie eine völlig normale Einstellung zum Autofahren zeigen. Herzlichen Glückwunsch!
Autofahrer: Glückwunsch?
Prüfer: Tuuut-tuttutt.
Autofahrer: Tuut.